Pressestimmen zur Titelouze-Aufnahme

 

 

 

 

Erreicht die Seele des Zuhörers

 

Bis vor kurzem war noch wenig an Plattenaufnahmen mit Musik von Jehan Titelouze verfügbar. Organist an der Kathedrale von Rouen von 1588 bis 1633 und allgemein angesehen als der Vater der französischen Orgelschule, ist seine Musik bahnbrechend, einfallsreich und prächtig. Aber nun – ganz überraschend – haben wir zwei hervorragende Einspielungen der zwölf Kirchenhymnen vorliegen: Ein sehr feines Doppel-CD-Set von Yves G. Préfontaine… und das hier besprochene Set von Markus Goecke…

Die zwölf Hymnenvertonungen “Hymnes de l'Église pour toucher sur l'orgue, avec les fugues et recherches sur leur plain-chant” bestehen alle aus vierstimmigen Variationen über gregorianische Hymnen mit jeweils drei oder vier Versen für Orgel. Der erste Vers basiert immer auf der Hymnenmelodie in langen Notenwerten, die von polyphonen Stimmführungen unterschiedlicher Komplexität überlagert wird; Der letzte Vers besitzt jeweils typischen Fugencharakter und ist grundsätzlich der ausgearbeitetste mit brillantem und hochentwickeltem Kontrapunkt. Auf den zwei CDs sind zwischen die Orgelverse gesungene Strophen der jeweiligen Hymnen eingefügt – ein Punkt, auf den ich gleich noch eingehen werde.

Markus Goecke spielt die frühbarocke Orgel in der Kirche St. Michel in Bolbec in der Normandie, ursprünglich 1630 erbaut von dem in Schottland geborenen Guillaume Lesselier, seitdem mehrfach verändert und erweitert und 1997 hervorragend restauriert durch B... Cattiaux. Es ist dasselbe Instrument, das Robert Bates für seine Titelouze-Gesamtaufnahme auswählte. Und auch in der vorliegenden Produktion klingt es prächtig, glänzend geeignet für diese Musik und hier mit blendendem Raumeindruck. Diese Hymnenvertonungen sind Musik von Genie, Strenge, Poesie und Tiefe, und Markus Goecke drückt diese Qualitäten hervorragend aus, besser, als alle anderen Spieler, die ich bislang hörte. Seine Stilsicherheit und Technik sind makellos, seine musikalische Vorstellungskraft sowohl beseelt wie auch elegant und seine Verzierungen genau richtig.

Um nur einige wenige bemerkenswerte Momente hervorzuheben: Der majestätische Rhythmus des eröffnenden Verses von „Ad coenam Agni providi" (CDI, track 1) gibt auf schönste Art den Ton zur Eröffnung der Sammlung an; Die lyrische Schönheit der Binnenverse wie z. B. der zweite Vers des „Pange lingua“ (I/18) oder des „Ave maris stella“ (I/29); Und die eindrucksvolle rhythmische Behandlung der Eröffnungsverse von „Ut queant laxis“ (I/22) oder „Ave maris stella“ (I/27). In der Tat bildet das gesamte „Ave maris stella“ eine herrliche Satzfolge, die in der hervorragenden Polyphonie des Schlusssatzes (I/33) kulminiert. Mein persönlicher Favorit jedoch ist die Bearbeitung zu „Exultet coelum laudibus“ (II/7-12), die für mich ein absolutes Meisterwerk darstellt. Der abschließende Orgelvers ist eine atemberaubende kontrapunktische tour de force. In Vollendung von Markus Goecke gespielt, vollbringt er durch gesteigerte Dringlichkeit ab der Mitte des Stückes sein Meisterstück (II/11). Orgelbegeisterte, tut euch etwas Gutes und verpasst nicht diese vier magischen Minuten!

Ich erwähnte, dass die Orgelverse mit gesungenen Strophen der Hymnen abwechseln, hier ausgeführt von den vier Männerstimmen von Vox Resonat unter der Leitung von Eric Mentzel. Anders als in der eher gekünstelten Art dieser Darstellung auf Préfontaines Aufnahme, funktioniert das hier sehr gut. Der Gesang klingt natürlich und der Wechsel zwischen Orgel und Stimmen verläuft absolut glaubwürdig. Tatsächlich wechseln die Orgel- und Choralstrophen konsequent und alle Texte, auch die der nicht gesungenen, sondern von Titelouze für die Orgel gesetzten Strophen, werden im Booklet aufgeführt. Die Programmabfolge und das Booklet sind sehr gut strukturiert und die Orgeldisposition sowie die Registrierungen für alle Orgelversetten sind eingetragen. Die Erläuterungen des Booklets und die Übersetzungen der lateinischen Texte sind in Englisch und Deutsch wiedergegeben.

Da der Inhalt dieses Sets unmittelbar mit dem von Préfontaine korrespondiert, ist ein Vergleich schwer zu vermeiden. Beide Organisten sind hervorragende Musiker und ich würde sagen, dass ihre unterschiedlichen Herangehensweisen an Titelouze ergänzend die verschiedenen Facetten des einzigartigen Genies des Komponisten offenlegen. Yves-G. Préfontaine transportiert besonders erfolgreich die Farbe, das Drama, den Schmuck und die Originalität von Titelouzes fabelhaften Hymnenvertonungen. Markus Goecke seinerseits drückt ihre Gravität, Feinsinnigkeit, ihren Glanz, elegante Schönheit und ihre unglaubliche Tiefe aus. Für mich dringt Goecke zum innersten Kern dieser Musik vor und dadurch gelangt er ebenso tief in die Seele des Zuhörers. Ich bin sehr dankbar, beide Versionen zu besitzen, aber müsste ich auswählen, so wäre es Markus Goecke…

 

Reaching into the listener's soul

 

Until recently there was little available on disc of the music of Jehan Titelouze. Organist of Rouen cathedral from 1588 to 1633, and commonly regarded as the founder of the French organ school, his music is pioneering, inventive and magnificent. But now - all of a sudden, or so it seems - we have two superb recordings of the twelve Hymnes de l'Église: a very fine two-disc set by Yves-G. Préfontaine …, and the present set from Markus Goecke…

The twelve hymn settings, 'Hymnes de l'Église pour toucher sur l'orgue, avec les fugues et recherches sur leur plain-chant', each consist of 4-voice variations on Gregorian hymns, in three or four organ verses. In each case the first verse is based upon a statement of the hymn melody in long notes overlaid by polyphonic treatments of varying complexity; the last verse, typically fugal in character, is generally the most complex, with brilliant and highly developed counterpoint. On these two discs, the organ verses are interspersed with sung versions of their respective hymns - a point which I'll return to in a moment.

Markus Goecke plays the early baroque organ of the church of Saint-Michel in Bolbec, Normandy, originally built by Scots-born Guillaume Lesselier in 1630, modified and enlarged a few times since then, and superbly restored in 1997 by B... Cattiaux. It's the same instrument as that chosen by Robert Bates for his complete Titelouze survey and again it sounds magnificent, brilliantly suited to this music and recorded here with splendid realism. These hymn settings are music of genius, austerity, poetry and profundity; and Markus Goecke, more than any other player I have yet heard, expresses these qualities magnificently. His style and technique are impeccable, his vision of the music both soulful and elegant, and his embellishments spot-on.

To mention just a few remarkable moments: the majestic rhythms of the opening verse of 'Ad coenam Agni providi' (CDI, track 1), setting the tone of the collection most beautifully; the lyrical beauty of the inner verses such as the second verse of 'Pange lingua' (I/18) or that of 'Ave maris stella' (I/29); and the striking rhythmical treatment of the opening verses of 'Ut queant laxis' (I/22) or 'Ave maris stella' (I/27). In fact, the whole of 'Ave maris stella' forms a splendid sequence, culminating in the superb polyphony of its concluding verse (I/33). My personal favourite, however, is the setting of 'Exultet coelum laudibus' (II/7-12), which for me is an absolute masterpiece. Its final organ verse is a stunning contrapuntal tour de force, played here to perfection by Markus Goecke, with the heightened urgency he applies from the halfway point a master stroke in itself (II/11). Organ enthusiasts, do yourselves a favour and don't miss out on these four minutes of magic!

I mentioned that the organ verses are interspersed with chanted versions of the hymn texts, here performed by the four male voices of Vox Resonat directed by Eric Mentzel. Unlike the rather artificial manner of the procedure in Préfontaine's recording, this works extremely well here. The singing sounds natural and the continuity of pace between organ and voices is just right. In fact, the sung verses alternate with organ verses throughout, and all the texts are given in the booklet including those verses not sung but set to the organ by Titelouze. Both programme and booklet are extremely well organised, and the organ's specifications and the registrations for each verse are all listed. The booklet notes, and translations of the Latin texts, are in English and German.

Since the content of this set corresponds directly with that of Préfontaine, a comparison is hard to avoid. Both organists are superb musicians, and I would say that their different approaches to Titelouze are complementary in revealing the various facets of this composer's singular genius. Yves-G. Préfontaine is particularly successful in conveying the colour, drama, flamboyance and originality of Titelouze's fabulous hymn settings. Markus Goecke, for his part, expresses their gravity, subtlety, clarity, elegant beauty and sheer profundity. For me, Goecke penetrates to the very heart of this music, and in doing so he reaches deep into the listener's soul as well. I'm very grateful to have both of these versions, but if I had to choose one it would be Markus Goecke…

 

Stephen Midgley, Customer Reviews in amazon.co.uk., 25.03.2014, 5 von 5 Sternen

 

 

Es ist wirklich erstaunlich und tröstlich, so viele Plattenveröffentlichungen wahrzunehmen, die dem Werk von Jehan Titelouze gewidmet sind, welches sicherlich den Organisten stets bekannt war, aber letztlich sehr selten eingespielt wurde...

Auch wenn sein Album erst vor kurzem erschien, war Markus Goecke jedoch der Erste, der im Jahr 2001 die kompletten Hymnen an dieser gerade restaurierten und von vorneherein als ideal zu bewertenden Orgel in der Kirche Saint Michel in Bolbec einspielte, die vermutlich in Kooperation mit Titelouze selbst gebaut wurde und von diesem sicherlich auch gespielt wurde (es handelt sich um dieselbe Orgel, die Robert Bates für seine Aufnahme wählte).

In der Sache kann man das auf den ersten Blick hin perfekte Album praktisch nur loben:

- Zumindest auf dem Papier ist diese Orgel noch weniger anfechtbar als die von Yves-G. Préfontaine benutzte aus dem Jahre 1699, selbst, wenn dieser daraus fantastische Farben lockt.

- Die Orgel ist nicht nur perfekt gewählt, sondern vielleicht sogar noch besser aufgenommen und eingefangen (kontrastreicher ohne zu übertreiben, bessere Klarheit der Tonaufnahme) als in der Aufnahme von Robert Bates, (der dieselbe Orgel benutzt).

- Im Gegensatz zur Gesamteinspielung von Bates gibt es den Wechsel mit dem gesungenen Choral und das ist gut so, denn er ist sehr wichtig, um die Poesie dieser Musik zu begreifen.

- Die Spielweise von Markus Goecke ist sehr würdig, maßvoll aber sinnvoll in seiner Präsentation der Klanglichkeit und seiner Führung der Stimmen, die Dimension der „Lieder ohne Worte“ dieser Musik betonend, verdient Bewunderung. Der besonders klare Choralgesang, sicher und andächtig, verstärkt den Zusammenhang und betont den Ursprung dieser Musik zum einen in der flämischen Polyphonie und zum anderen in der französischen Poesie (Titelouze selbst war Dichter).

 

C'est vraiment étonnant et réconfortant de voir autant de parutions discographiques consacrées à l'oeuvre de Jehan Titelouze, qui a certes toujours été connu des organistes mais finalement très peu enregistré...

Même si cet album est sorti il y a peu, Markus Goecke avait en fait été le premier, en 2001, à enregistrer l'intégrale des hymnes sur cet orgue, fraichement restauré à priori idéal de Saint Michel de Bolbec, probablement construit en coopération avec Titelouze lui-même et que ce dernier a certainement joué lui-même (Il s'agit du même orgue que celui choisi également par Robert Bates dans son intégrale).

Sur le fond, il n'y a pratiquement que des éloges à faire à cet album à priori parfait:

- Au moins sur le papier, cet orgue est encore plus incontestable que celui de 1699 utilisé par Yves-G. Préfontaine même si ce dernier en sort des couleurs fantastiques

- L'orgue est non seulement parfait mais peut-être encore mieux registré et capté (plus de contrastes sans en faire trop non plus, meilleure définition de la prise de son) que dans l'intégrale de Robert Bates (qui utilise le même orgue)

- Contrairement à l'intégrale Bates, le plain chant alterné est là et bien là, ce qui est vraiment important pour comprendre la poésie de cette musique

- Le style de jeu de Marcus Goecke très digne, sobre mais judicieux dans sa présentation des plans sonores et sa conduite de voix, soulignant la dimension "poème sans paroles" de cette musique, force l'admiration et le plain chant particulièrement clair, ferme et recueilli ne fait que renforcer la cohérence de ce parti pris destiné à souligner la filiation de cette musique avec d'une part la polyphonie flamande et d'autre part la poésie francaise (Titelouze était aussi poète lui-même).

 

Nicolas Hotman, amazon.fr, 24.04.2014

 

 

Goecke liefert eine gute und elegante Darbietung... Der Gesang des Vokalensembles ist exzellent: Jedes Wort ist verständlich, auch ohne booklet in der Hand.

Die Bedeutung dieser Veröffentlichung ist kaum überzubewerten. Sie hätte viel früher erscheinen müssen, aber lieber zu spät, als nie.

 

Goecke delivers good and stylish performances. The singing of the vocal ensemble is excellent: every word is understandable, even without the booklet at hand.

It is hard to overestimate the importance of this release. It should have been published much earlier, but better late than never.

 

musica-dei-donum.org, 02.12.2013

 

 

 

Eine große und schöne Vision der Hymnen von Jehan Titelouze

 

Sehr selten bekommt man auf Tonträger eine Gesamtaufnahme der Hymnen von Titelouze zu hören. Außer ein paar mehr oder minder erfolgreichen Teilaufnahmen hat allein Yves G. Préfontaine beim Label Atma 2008 eine sehr schöne Annäherung auf der Orgel von Seurre (Burgund) vorgelegt.

Jehan Titelouze schenkt an der Wende zwischen Renaissance und Frühbarock der Nachwelt als Chorherr und Organist an der Kathedrale von Rouen ein Orgelschaffen von seltener Qualität. Der erste Teil präsentiert zunächst zwölf der am häufigsten in der Kirche gesungenen Hymnen gefolgt von den Versetten für das Magnificat in den acht gebräuchlichen Kirchentonarten. Diese Aufnahme legt nun die Gesamtaufnahme des ersten Teils vor, die Orgelversetten zu den kirchlichen Hymnen, von denen manche noch zahlreiche weitere Komponisten inspirierten.

Der zeitliche Kontext ist besonders sowohl im Hinblick auf die Kompositionstechnik als auch die Spielpraxis der Orgeln. Glücklicherweise lässt uns dieses Album die Musik auf einer Orgel erleben, die wie durch ein Wunder aus der Zeit von Titelouze erhalten ist. Die Orgel wurde 1630 für die Kirche Saint Herbland in Rouen gebaut und damals von dem berühmten Titelouze-Schüler Jacques Boyvin gespielt. 1792 wurde sie dann aufgekauft, um die Empore der Kirche in Bolbec auszufüllen. Nach einigen unvermeidlichen Veränderungen in der Folgezeit wurde sie von Bertrand Cattiaux 1999 restauriert, der ihr die originale Ausrichtung zurückgab, was für das eingespielte Repertoire sehr günstig ist. Die Eigenheiten dieser Orgel sind in Übereinstimmung mit den Registrierungsvorschlägen, die Pater Marin Mersenne in seinem Werk „L’harmonie universelle“ empfielt.

All diese Zutaten sind nun vereinigt, um die bestmöglichen klanglichen Voraussetzungen zu erzielen. Markus Goecke nimmt diese Musik mit dem notwendigen Atem in Angriff, den die kunstvolle Klangrede des Komponisten erfordert. Diese Musik der Aufnahme ist ganz gewiss von herausragendem Geist, der die Mehrstimmigkeit gefühlvoll herausarbeitet. Die für unsere Ohren manchmal ungewöhnlichen Klangfarben sind vom Organisten klug gewählt, und ganz gewiss durchweg richtig. Sie lassen uns in ein faszinierendes, ganz neues Universum eintauchen. Die einzelnen Strophen wechseln sich ab mit den Einsätzen des Chores Vox Resonat, der im fließenden Rhythmus und immer angenehm zu hören ist.

Der Zuhörer findet mit Vergnügen manche bekannte Themen wie Veni Creator, Pange Lingua oder Ave Maris Stella. Die Tempi der Orgelversetten sind niemals zu schnell und ermöglichen eine perfekte Durchhörbarkeit der kunstvollen Polyphonie, unterstützt von einer sehr ausgeglichenen Aufnahmetechnik, nah genug, um die Akustik von Bolbec aufblühen zu lassen, obwohl sie dort normalerweise schwer einzufangen ist.

Ein einziger Wunsch bleibt offen, nämlich dass dieselben Interpreten auch den zweiten Teil des Orgelwerks, die Magnificat-Vertonungen vorlegen würden, was letztendlich eine erstmalige Gesamteinspielung auf Tonträger bedeuten würde. Jehan Titelouze, der Vater der französischen Orgelmusik würde es sich wünschen.

 

Une grande et belle vision des hymnes de Jehan Titelouze

 

Il est fort rare d’entendre au disque une version intégrale des hymnes de Titelouze. Outre quelques enregistrements d’extraits parfois très réussis, seul Yves G. Préfontaine pour le label Atma avait proposé en 2008 une très belle approche sur l’orgue de Seurre (Bourgogne).

Jehan Titelouze, chanoine et organiste de la cathédrale de Rouen au tournant de la Renaissance et du pré-baroque, offre à la postérité un livre d’orgue d’une rare qualité. Divisé en deux parties, ce livre présente tout d’abord douze hymnes parmi les plus chantés à l’église, suivis de versets pour le Magnificat dans les huit tons usuels. Cet enregistrement propose ici l’intégrale de la première partie, ces versets d’orgues sur les hymnes de l’église dont certains inspirèrent encore tant de compositeurs.

Le contexte de l’époque est particulier tant par l’écriture de la musique que par l’utilisation des orgues. Par chance cet album nous fait entendre ces pages sur un orgue miraculeusement sauvé depuis l’époque de Titelouze. Construit en 1630 pour l’église Saint-Herbland à Rouen, et tenu par Jacques Boyvin, illustre élève de Titelouze, l’orgue est acheté en 1792 pour occuper la tribune de l’église de Bolbec. Après quelques transformations inévitables depuis, c’est Bertrand Cattiaux qui le restaure en 1999, lui redonnant son aspect original, et du coup très propice à ce répertoire. Les caractéristiques de cet orgue sont en harmonie avec les préceptes de registration préconisés par le Père Marin Mersenne dans son ouvrage « L’harmonie universelle ».

Tous les ingrédients sont ainsi réunis pour se placer dans le meilleur contexte sonore possible. Markus Goecke aborde cette musique avec le souffle indispensable que réclame le discours savant de l’auteur. Cette musique est à l’évidence celle d’un esprit supérieur, qui travaille la polyphonie avec sensualité. Les mélanges judicieusement choisis par l’organiste, parfois inhabituels à nos oreilles, et pourtant tout à fait à leur place, nous plongent dans un univers fascinant et inédit. Les différents versets se succèdent alternés par les interventions du choeur Vox Renonat, au rythme allant, toujours agréables à l’audition.

L’auditeur retrouve avec bonheur quelques thèmes connus tel le Veni Creator, le Pange Lingua ou l’Ave Maris Stella. Les tempi de l’orgue ne sont jamais trop rapides et permettent un lisibilité parfaite à cette savante polyphonie, soutenue par une prise de son très équilibrée, assez proche, qui s’épanouit dans l’acoustique de Bolbec, pourtant difficile à capter en général.

Un seul souhait peut être, serait que ces interprètes proposent la deuxième partie du livre d’orgue, les Magnificat, ce qui apporterait enfin une intégrale au disque, pour la toute première fois. Jehan Titelouze, le père de l’orgue français le vaudrait bien.

 

resmusica.com, 01.11.2013, Frédéric Muñoz

 

 

 

Aktuell: AUSWAHL DER REDAKTION Eine Medaille für Goecke und Titelouze

 

Wenn Rezensent Theo Visser eine Medaille für die Doppel-CD mit den zwölf 'Hymnes de l'Eglise povr tovcher svr l'Orgue' von Markus Goecke hätte verleihen können, dann wäre das wohl eine Goldmedaille geworden. Orgelnieuws.nl beteiligt sich zwar nicht an der Verteilung von Edelmetallen, ruft diese Produktion aber als Auswahl der Redaktion aus. So erspart sie sich einiges an Ausgaben für Orden…

Es ist eine freundliche Gewohnheit, jubilierenden Komponisten Beachtung zu schenken. So wäre Jean Titelouze in diesem Jahr 450 Jahre geworden. Obgleich sein Werk zweifelsohne zum Kanon der französischen Orgelliteratur gehört, sind Aufführungen davon recht selten. Auch die Diskografie ist nicht übermäßig, eine Kompletteinspielung fehlt weiterhin. In diesem Jubiläumsjahr wird der Katalog allerdings bereichert durch die schöne Doppel-CD der zwölf 'Hymnes de l'Eglise povr tovcher svr l'Orgue', gespielt vom deutschen Organisten Markus Goecke.

Der Band mit den Hymnen von Titelouze erschien 1623 und steht stilistisch in der Tradition der frankoflämischen Schule unter anderen von Josquin des Prez und Claude le Jeune. Das Vorwort des Werkes gibt das bereits mehr oder weniger an, denn darin wird nachdrücklich auf Fugen und Ricercare hingewiesen. In der rhythmischen Spannung, der Dissonanzbehandlung und tonalen Harmoniewendungen kündigt sich aber die Barockzeit deutlich an. In hier und da „aufblühenden“ Diminutionen zeigt sich ein sich stark entwickelnder Klavierstil. Die Hymnenversetten von Titelouze können als instrumentale Motetten mit einer verfeinerten Lebendigkeit charakterisiert werden.

Es ist alles andere als einfach, eine ideale Titelouze-Orgel zu finden, denn französische Orgeln der Titelouzezeit sind kaum erhalten geblieben. Die Musik verlangt einen südlichen Orgeltyp aus der Zeit vor der französich-klassischen Epoche und darüber hinaus nach einer mitteltönigen Stimmung. Nach einer Suche durch ganz Europa (wobei auch die Pieterskerk in Leiden in Erwägung gezogen wurde), landete Markus Goecke in Bolbec (Normandie). Das Instrument ist 1630 von Guillaume Lesselier ursprünglich für eine Kirche in Rouen gebaut, in Saint Ouen nahe der Wirkungsstätte von Titelouze. In Saint Ouen stand eine Orgel vom Lehrmeister Lesseliers, Crespin Carlier, welches im Auftrag von Titelouze gebaut wurde. Titelouze hatte ein lebendiges Interesse am Orgelbau und es ist wahrscheinlich, dass er die auf den CDs eingespielte Orgel gut gekannt und geschätzt hat. Eine bessere Wahl hätte Goecke nicht machen können.

Rund um die Ausführung der Musik gibt es ein paar wichtige Fragen. Titelouze schreibt, dass es Raum für allerhand hinzuzufügende Verzierungen gibt, aber er macht keine Detailangaben, „weil die Ausführung jedem bekannt sei“. Die meisten Interpreten entscheiden sich dafür, das ziemlich dichte Stimmengewebe unberührt zu lassen, so aber nicht Goecke. Sorgfältig und dosiert fügt er Diminutionen hinzu, die er dem theoretischen Werk von Mersenne entlehnt. Es ist bekannt, dass Mersenne und Titelouze befreundet waren und sich gegenseitig schätzten. Auch an Mersenne angelehnt ist das vorklassische jeu inégal, das Goecke geschmackvoll einbringt. Auffallend ist auch, dass Goecke für fast alle erste Verse einer Hymne einen Ouverture-artigen punktierten Rhythmus wählt; Eine Entscheidung, die etwas gekünstelt herüberkommt und von der ich nicht weiß, ob sie auf irgendeiner Quelle beruht. Auch ziemlich einzigartig sind die auf dieser Aufnahme gebrauchten Registrierungen. Diese sind inspiriert von den Vorschlägen, die Mersenne gibt und die wahrscheinlich teils auf Titelouze selbst zurückgehen. Da finden sich einige besondere, später in Vergessenheit geratene Kombinationen, wie Bourdon 8, Prestant 4 und Clairon 4.

Das Spiel von Goecke ist begeisternd und sehr gepflegt im guten Sinn des Wortes. Goecke artikuliert deutlich; manchmal wäre vielleicht eine vokalere Ausrichtung zu wünschen. Die Aufnahme ist sehr direkt.

Die zwölf Hymnen werden alternatim von dem Chor Vox Resonat unter der Leitung von Eric Mentzel gesungen, der das schön macht. Auch hierfür wurde vorheriges Quellenstudium geleistet, das in melodischer und rhythmischer Hinsicht eine interessante Version der Gregorianik bedingt. Bedauerlicherweise wird aus unbekanntem Grund nicht die altfranzösische Aussprache des Lateins befolgt.

Das Booklet ist informativ und und geschmackvoll gestaltet, alle Registrierungen werden aufgeführt. Allein ein Foto des Orgelprospekts fehlt.

Eigentlich müsste die Académie des Arts, Science et Lettres für solch eine Produktion (auch) einen Orden verleihen…

 

actueel : REDACTIEKEUZE Een medaille voor Goecke en Titelouze

 

Als recensent Theo Visser een medaille zou kunnen toekennen aan de dubbel-cd van de twaalf 'Hymnes de l'Eglise povr tovcher svr l'Orgue' door Markus Goecke, dan zou dat waarschijnlijk een gouden plak zijn geweest. Orgelnieuws.nl doet weliswaar niet aan het uitdelen van edelmetalen onderscheidingen, maar roept deze productie wel uit tot keuze van de redactie. Dat scheelt u weer wat nikkelen plakken...

Het is een aardige gewoonte aandacht te geven aan jubilerende componisten. Zo is het dit jaar 450 jaar geleden dat Jean Titelouze werd geboren. Hoewel diens oeuvre zondermeer tot de canon van de Franse orgelliteratuur behoort, zijn uitvoeringen ervan zeldzaam. Ook de discografie is niet overdadig, een geheel complete opname ontbreekt vooralsnog. In dit jubileumjaar jaar werd de catalogus echter verrijkt met een mooie dubbel-cd van de twaalf 'Hymnes de l'Eglise povr tovcher svr l'Orgue', gespeeld door de Duitse organist Markus Goecke.

De bundel hymnen van Titelouze verscheen in 1623 en staat stilistisch in de traditie van de Frans-Vlaamse school van onder anderen Josquin des Prez en Claude le Jeune. De titel van het werk geeft dit al min of meer aan, want daarin wordt nadrukkelijk verwezen naar fuga's en ricercares. In de ritmische spanning, de behandeling van dissonanten en in tonale harmoniewendingen kondigt de barok zich echter duidelijk aan. Uit hier en daar ‘opbloeiende’ diminuties blijkt duidelijk een zich sterk ontwikkelende klavierstijl. De hymneversetten van Titelouze kunnen gekarakteriseerd worden als instrumentale motetten met een verfijnde levendigheid.

Het is niet echt eenvoudig om een ideaal Titelouze-orgel te vinden, want Franse orgels uit de tijd van Titelouze zijn nauwelijks bewaard gebleven. De muziek vraagt om een zuidelijk orgeltype van vóór de Franse klassieke periode, en bovendien om een middentoonstemming. Na een zoektocht door heel Europa (waarbij ook de Pieterskerk in Leiden is overwogen), kwam Markus Goecke terecht in Bolbec (Normandië). Het instrument is in 1630 oorsponkelijk gebouwd door Guillaume Lesselier voor een kerk in Rouen, dichtbij de Saint Ouen waar Titelouze werkzaam was als organist. In de Saint Ouen stond een orgel van de leermeester van Lesselier, Crespin Carlier, dat op instignatie van Titelouze gebouwd was. Titelouze had een levendige belangstelling voor orgelbouw en het is waarschijnlijk dat Titelouze het op de cd’s ingespeelde orgel goed gekend en gewaardeerd heeft. Een betere keus had Goecke niet kunnen maken.

Rond de uitvoering van de muziek spelen een paar belangrijke kwesties. Titelouze schrijft dat er ruimte is voor allerhande toe te voegen versiering, maar hij treedt niet in detail 'omdat iedereen daarmee bekend is'. De meeste uitvoerders kiezen ervoor om het tamelijk compacte stemmenweefsel toch onversierd te laten, maar zo niet Goecke. Zorgvuldig en gedoseerd voegt hij diminuties toe, die hij ontleende aan het theoretisch werk van Mersenne. Het is bekend dat Mersenne en Titelouze met elkaar bevriend waren en elkaar wederzijds bewonderden. Ook aan Mersenne ontleend is het pre-klassieke jeu inégal, dat Goecke smaakvol toepast. Opvallend is wel dat Goecke voor vrijwel alle eerste verzen van een hymne kiest voor een ouverture-achtig gepunteerd ritme; een keuze die enigszins gekunsteld overkomt en die voor zover ik weet niet op enige bron is gebaseerd. Ook tamelijk uniek aan deze opname zijn de gebruikte registraties. Deze zijn geïnspireerd door de (algemene) voorstellen die Mersenne doet, en die waarschijnlijk deels van Titelouze zelf afkomstig zijn. Daar zitten enkele bijzondere, later in onbruik geraakte combinaties bij, zoals Bourdon 8, Prestant 4 en Clairon 4.

Het spel van Goecke is enthousiast en zeer verzorgd in de goede zin van het woord. Goecke articuleert duidelijk; soms zou je misschien iets meer een iets meer vocale benadering wensen. De opname is mooi direct.

De twaalf hymnes worden alternatim gezongen door het koor Vox Resonat onder leiding van Eric Mentzel, die dat fraai doet. Ook hiervoor is uitvoerige bronnenstudie verricht, wat in melodisch en ritmisch opzicht een interessante versie van het gregoriaans oplevert. Jammer genoeg wordt om een of andere reden niet de oud-franse uitspraak van het Latijn gevolgd.

Het boekje is informatief en stijlvol vormgegeven, alle registraties worden vermeld. Alleen een foto van het orgelfront ontbreekt.

Eigenlijk zou de Académie des Arts, Science et Lettres aan dit soort producties (ook) eens medailles moeten gaan toekennen... (THEO VISSER)

 

www.orgelnieuws.nl, 16.09.2013

 

 

 

Einem jedem Organisten und Freund der Orgelmusik ist Jean Titelouze als Begründer der frühbarocken französischen Orgelschule bekannt. Eingeschränkt ist hingegen der Kreis derer, die seine Werke in Liturgie und Konzert aktiv darbieten. An der physischen Zugänglichkeit sollte dies nicht scheitern. Guilmants durchweg zuverlässige Ausgabe (Schott) ist nach wie vor ohne Probleme erhältlich. Das Problem scheint vielmehr in der Musik selbst zu liegen. Das umfangreiche Œuvre des Roueneser Kathedralorganisten erweckt den Eindruck, sich einem spontanen interpretatorischen Zugriff eher zu verschließen als zu öffnen. Titelouze gilt als spröde, komplex und akademisch. Die Poesie, die Zeitgenossen an seiner Musik rühmten, erschließt sich offenbar nicht auf den ersten Blick.

Dementsprechend vermitteln viele Einspielungen auch ein Bild stilistischer Hilflosigkeit. Zwischen trockenem, uninspiriertem Abspielen der Partitur und Überfrachten der Musik mit kaum passenden Verzierungen, die eher der darauf folgenden Époque classique entstammen, ist vieles zu finden. Der spezifische Charakter dieser Musik ist dabei allerdings nur selten getroffen.

Umso gespannter erwartete man die lange angekündigte erste Gesamtaufnahme (!) der Hymnen durch Markus Goecke. Ganz offensichtlich liegt der Aufnahme eine intensive Beschäftigung des Interpreten mit Titelouze zugrunde. Goecke ist bemüht, durch intensives Studium der Quellen und die sorgfältige Auswahl des Instruments dem Meister so nahe wie möglich zu kommen. Deutlich wird das insbesondere in der Wahl der Verzierungen. Der Interpret beschränkt sich nicht auf die üblichen Triller und Mordente, sondern fügt zahlreiche Diminutionen ein. Dabei gelingt ihm das Kunststück, einerseits nach Titelouzes ausdrücklichem Willen die Musik reich zu verzieren, gleichzeitig bleiben die kontrapunktischen Strukturen völlig transparent. Höchst elegant ist auch die subtile Artikulation, die in jedem Moment kantabel bleibt. Tatsächlich gewinnt die vermeintlich spröde Musik des französischen Meisters unter Goeckes Händen eine große Feierlichkeit und gesangliche Note, und man beginnt hier zu ahnen, was den Komponisten zu Lebzeiten so berühmt machte.

Ein weiterer Glücksfall ist die Orgel der Kirche St. Michel in Bolbec (Normandie). Das 1630 errichtete Instrument stand ursprünglich in der Kirche Sainte-Croix in Rouen, in unmittelbarer Nähe von Titelouzes Wirkungsstätte (die heute ein Nachkriegsinstrument beherbergt). So ist es naheliegend, dass der Komponist diese Orgel kannte und möglicherweise auch ihren Bau beeinflusst hat. Konsequenterweise verzichtet Goecke auf die Verwendung der später hinzugefügten Manuale Récit und Echo, so dass nur „authentischer“ Registerbestand erklingt. Die Registrierungen sind stilgerecht an die Angaben von Mersenne angelehnt, die wahrscheinlich auf Empfehlungen von Titelouze persönlich zurückgehen. Das Klangbild ist von bestechender Klarheit und deutlich intimer, als man es von den großen spätbarocken Instrumenten her kennt.

Die Versionen der durch das Ensemble Vox Resonat klangvoll gesungenen Hymnen gehen auf ein Büchlein mit dem Titel Heures de Nostre Dame von 1589 zurück und vermitteln gleichfalls in dieser Fassung eine größtmögliche atmosphärische Nähe zum Komponisten.

Die in jeder Hinsicht stimmige und überzeugende Einspielung ist als Referenzaufnahme anzusehen, an der sich künftige Interpretationen werden messen lassen müssen.

 

organ – Journal für die Orgel 02/2013

 

 

 

... Das Hören der Orgelmusik von Titelouze bereitet mehr, als nur intellektuelles Vergnügen. Der intelligent angewendete Kontrapunkt bewirkt diese Befriedigung, aber die … überraschenden Elemente öffnen den Blick nicht nur auf eine intelligente, sondern auch eine originelle Persönlichkeit.

Und diese Musik bewirkt noch viel mehr: Eine andere Zeit wird erlebbar, wie z. B. das Betreten einer alten Kathedrale.Sie kann verursachen, dass du den Geruch des Gebäudes wahrnimmst und den Lichteinfall durch die Fenster auf dich wirken lässt. Ein Pange lingua kann eine Sakramentsprozession in der Zeit von Titelouze vor dem inneren Auge hervorrufen. Das Ensemble Vox Resonat, das für die gregorianischen Melodien Verantwortung trägt, weiß diese mit schöner Ausgeglichenheit und sehr klangvoll auszuführen. Vox Resonat wurde 1996 von Eric Mentzel und Stephen Grant gegründet und entwickelte sich bald zu einem viel gefragten und herausragend besetzten Ensemble für die Darstellung Alter Musik. Der deutsche Organist Markus Goecke ist ein Mann mit einem breiten Repertoire, das von sehr früher bis zu heutiger Orgelmusik reicht. Seine Darstellung der Musik von Titelouze ist lebendig, treffsicher und sehr überzeugend. Die gespielte Orgel ist aus der Hand des … Orgelbauers Guillaume Lesselier und stammt aus dem Jahr 1630. Ursprünglich befand sie sich in Rouen, genau genommen in Sainte-Croix-Saint-Ouen, nur einen Steinwurf entfernt von der Kathedrale, wo Titelouze wirkte. Es ist also denkbar, dass er diese Orgel gekannt und vielleicht selbst gespielt hat. Das Instrument kam in der Revolution 1792 nach Bolbec (Normandie). Es besitzt noch das Gehäuse von 1630 und eine Anzahl von Pfeifen aus der Zeit und trotz zahlreicher Restaurierungen hat es ohne ernsthafte Farbveränderungen überstanden. Bertrand Cattiaux restaurierte sie im Jahr 2000 so, dass sie wieder den Geist der Zeit von Titelouze atmet und eine sehr gute Wahl für die Aufnahme dieser Orgelwerke ist.

 

...Het luisteren naar de orgelmuziek van Titelouze roept meer op dan intellectuele voldoening. Het intelligent toegepaste contrapunt geeft die voldoening, maar de bovengenoemde verrassende elementen geven niet alleen blijk van een intelligente, maar ook van een originele persoonlijkheid. En deze muziek doet nog veel meer: je kunt er de gewaarwording door krijgen van een andere tijd, zoals het binnen komen in een oude kathedraal dat kan doen als je de geur van het gebouw opsnuift en de lichtval door de ramen op je in laat werken. Een Pange lingua kan beelden oproepen van een Sacramentsprocessie uit Titelouzes tijd. Het ensemble Vox Resonat, dat de gregoriaanse melodieën van de hymnen voor zijn rekening neemt, weet dat mooi egaal en zeer klankrijk te volbrengen. Vox Resonat is in 1996 opgericht door dirigent Eric Mentzel en Stephen Grant en ontwikkelde zich al gauw tot een veel gevraagd en uitstekend toegerust ensemble voor de vertolking van oude muziek. De Duitse organist Markus Goecke is een man met een breed repertoire dat zich uitstrekt van zeer vroege tot hedendaagse orgelmuziek. Zijn vertolking van de muziek van Titelouze is vitaal, trefzeker en zeer overtuigend. Het bespeelde orgel is van de hand van bovengenoemde orgelbouwer Guillaume Lesselier en stamt uit 1630. Oorspronkelijk bevond het zich in Rouen, en wel in de Sainte-Croix-Saint-Ouen, op een steenworp afstand van de kathedraal waar Titelouze werkte. Het is dus niet denkbeeldig dat hij dit orgel gekend en misschien zelfs bespeeld heeft. Het instrument kwam na de revolutie in 1792 in Bolbec (Normandië) terecht. Het bezit nog de kas uit 1630 en een aantal pijpen uit die tijd, en ondanks vele restauraties is het ontkomen aan ernstige timbreveranderingen. Bertrand Cattiaux restaureerde het in 2000 zodanig dat het weer de geest ademt van Titelouzes tijd en dus een zeer goede keuze is voor de opname van diens orgelwerken.

de orgelvriend, Ausgabe 7-8/2013

 

 

 

Diese CD stellt wohl die Ersteinspielung der Hymnen von Titelouze aus dem Jahr 1623 dar. Nicht nur deswegen gebührt ihr ein besonderes Ohrenmerk, sind die Hymnen doch nicht nur die erste gewichtige Äußerung der französischen Orgelliteratur, sondern auch das französische Pendant zu Samuel Scheidts Tabulatura nova und den Vater unser-Variationen von Ulrich Steigleder. Alle diese Werke fassen in bester humanistischer Weise das Können der Zeit zusammen, die vorliegende Sammlung eben das katholische Alternatim-Spiel der Hymnen. Für die Einspielung hat Goecke die 2000 von Bertrand Cattieux auf ihr Erbauungsjahr 1630 zurück restaurierte Lesselier-Orgel mit ihren 25 Registern auf zwei Manualen und Pedal gewählt, mit ihren ältesten Bestandteilen aus dieser Zeit natürlich eine ausgezeichnete Wahl, zumal das Instrument ursprünglich für eine andere Kirche in Rouen erbaut wurde, vermutlich unter Beteiligung von Titelouze. Die Fugen und Ricercari, z.T. abschnittsweise Vertonungen der Verszeilen, z.T. kanonisch gesetzt, registriert Goecke in renaissancehaften und auch in spätbarocken Registrierungen, jedenfalls sehr abwechslungsreich und treffend, dabei fußend auf Marin Mersennes Proportiones XXXI aus dessen Traité des instruments de musique de l’Harmonie Universelle. Die Orgelverse der Hymnen werden ergänzt durch Vokaliter-Verse, die die Schola Vox Resonat unter der Leitung von Eric Menzel gekonnt vorträgt, leider unter Vernachlässigung aller Schlusskonsonanten. Die Einspielung ist nicht nur historisch sehr gewissenhaft fundiert, die Wiedergabe dieser majestätischen Musik im alten Stil vermag den Hörer auch in höhere Gefilde zu heben.

 

kirchmusik.kirchkunst.de, Rainer Goede, 10.03.2013

 

 

 

Doppel-CD erinnert an Jean Titelouze

 

Neues von Markus Goecke.

 

Wuppertal. Der in Wuppertal aufgewachsene Konzertorganist Markus Goecke, der auch als Kantor an St. Martin in Euskirchen tätig ist, legt eine Doppel-CD vor, die sich des fast vergessenen Werks von Jean Titelouze (1563-1633) annimmt.

Für die „Hmynes de l´eglise pour toucher sur l´orgue“ (Kirchenhymnen auf der Orgel zu spielen) ging Goecke auf die Suche nach einem Instrument aus dem Frühbarock mit mitteltöniger Stimmung und wurde im Städtchen Bolbec in der Normandie fündig. Das Instrument wurde 1630 erbaut und stand ursprünglich in Rouen, wo auch Titelouze wirkte. „Nach einer gelungenen Restaurierung atmet es wieder den Geist der Entstehungszeit“, erläutert Goecke im umfangreichen und informativen Booklet.

 

Die Musik lädt zur Meditation und Entspannung ein

 

Um größtmögliche Authentizität der Aufführungspraxis zu schaffen, kombinieren die CD’ s die Orgelversetten zu den unterschiedlichen liturgischen Anlässen – etwa die Musik zur Oster- oder Pfingstzeit – mit frühen Hymnen aus dem sechsten und siebten Jahrhundert.

Das Vokal-Ensemble „Vox Resonat“ – unter der Leitung von Eric Mentzel – ist spezialisiert auf die Wiedergabe der Alten Musik. So schafft es die Aufnahme, der Musik Titelouzes, die auf den ersten Blick wenig spektakulär ist, nahe zu kommen. Markus Goecke: „Lässt man die Musik aber bis ins Herz vordringen, kann man sich ihrer Klangschönheit nicht mehr entziehen.“ Dem gibt das Hören der gemeinsam von der Edition „Marc Aurel“ und „Raumklang“ hervorragend produzierten CD’ s Recht: Sie schaffen Ruhe und Entspannung und laden zur Meditation ein.

 

WESTDEUTSCHE ZEITUNG, 2.12.2012

 

 

 

Im Gespräch:

 

Markus Goecke

Reise in die Normandie

 

Der heute so gut wie vergessene Komponist Jean Titelouze schuf im 16. und frühen 17. Jahrhundert mit die ersten Stücke speziell für die Orgel und gilt als Begründer der französischen Orgel-Tradition. Markus Goecke hat seine Musik ausgegraben.

In dem kleinen Dorf Bolbec ganz im Norden der Normandie steht die Kirche St. Michel, und die Lesselier-Orgel darin hat Jean Titelouze zusammen mit einem befreundeten Orgelbauer selbst geplant.

Organist Markus Goecke hat für seine neue CD nicht nur intensiv die Quellen studiert, er ist sogar nach Bolbec gereist, um Titelouze' Musik auf der Orgel aufzunehmen, die der vor 400 Jahren selbst gespielt hat.

 

WDR 3 TonArt, 16.11. 2012

 

 

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